Mittwoch, 19. Februar 2014

Godzilla (1998) – Mastered In 4K (Blu Ray)




Story/Film (3 P):
Roland Emmerich steht nicht sonderlich hoch im Kurs bei mir und ohne Diskussion ist sein Godzilla Remake kein wirklich guter Film. Godzilla sieht weder aus wie Godzilla, noch benimmt er sich wie Godzilla. Das kultige, rachsüchtige Schmunzelmonster aus Tokyo ist stark amerikanisiert worden und gleicht nun einer rießigen Echse und benimmt sich entsprechend animalisch. Den Atom-Schuh will sich Hollywood selbstverständlich auch nicht anziehen und reicht den strahlenden Kelch weiter an Frankreich und schiebt der Kaffee liebenden Nation und dessen Hirochirac Präsidenten den Schwarzen Peter zu.

Dies scheint auf den ersten Blick noch gar nicht mal so blöde zu seien, allerdings ist es mir schleierhaft inwiefern Amerika eine folgenschwere Katastrophe und Tragödie aufgrund der Atomtest Frankreichs´ verschmerzen musste und so entsprechende Kritik gerechtfertigt ist…?!?!? Aber dahingehend ist Amerika sowieso sehr gut. Mit dem Finger auf andere zeigen, sich aber nie selbst an die Nase packen; die altbekannte Doppelmoral eben.

Mit diesen Dingen sollte man sich als Zuschauer jedoch nicht allzu sehr beschäftigen, denn man würde dem Film insgeheim mehr Aussagekraft zugestehen, als er es verdient hat.
Godzilla ist ein zerstörungswütiges Effektkino mit extra viel Kawumm und Rießenmonster-Action der Superlative und mehr nicht. Und hier kann der Film nunmal wirklich punkten. Die Action ist bombastisch, brachial und alles vernichtend. Es wird geballert, es werden Häuser und ganze Straßenzüge in Schutt und Asche gelegt und alles zu Schrott verarbeitet, was nur entfernt im Wege steht. Dass es vollkommen sinnentleert ist, dass eine Echse mit der Größe eines Hochhauses sich unterirdisch durch Manhatten gräbt und unentdeckt agieren kann, dürfte niemanden zu sehr aus der Zerstörungsorgie reissen. Auch all die anderen Dämlichkeiten gehen weitestgehend im Effektspektakel unter. Letztere sind auch heute noch als gut zu betrachten und brauchen sich nicht verstecken.

Aber der Film hat etwas mehr zu bieten, als nur eine Sache nach der nächsten zu pulverisieren. So dämlich und überzeichnet die ein oder andere Figur auch ist, man hat ihnen überraschend gute Dialoge in den Mund gelegt und die zwischenmenschlichen Momente sorgen für eine willkommene Abwechslung zwischen all der Matrialschlacht.



Mit seinen über 2 Stunden Laufzeit ist Godzilla etwas lang ausgefallen und so manche Actionpassage erscheint leicht gestreckt. Trotzdem kann der Film durchgehend unterhalten, weiss um seine Stärken und seinen heimlichen Star Jean Reno und baut gen Ende verstärkt auf den französischen Kultdarsteller, welcher gewohnt sympathisch agiert und viele, gekonnt witzige Aktionen sein Eigen nennen kann.

Fazit: Spaßiges Zerstörungswerk, dessen Monsterechse zufälliger Weise den Namen Godzilla trägt, als mit seinem japanischen Original auch nur entfernt verwandt zu seien. 

P.S. Macht keinen Fehler! Der Film ist nicht gut, aber er kann unterhalten und zelebriert eine tolle Zerstörungsorgie. Außerdem ist er noch lange keine exorbitant große Beleidigung in Bezug auf das Original, wie es beispielsweise King Kong von 1976 ist.

Bild (4,5 P):
Ich wollte es ja unbedingt wissen und den Unterschied zwischen der 4K-gemasterten und der Standard-BD persönlich, live und in Farbe begutachten. Und was soll ich sagen? Ja, da ist ein Unterschied, und ja, er zeichnet sich in einer besseren Bildqualität ab, aber… der Unterschied fällt relativ verhalten aus und ist weniger spürbar, als es die Bildvergleiche auf caps-a-holic erahnen lassen.

Die Farben machen einen leicht kräftigeren und besser differenzierten Eindruck, der Schwarzwert ist hin und wieder perfekt, kracht aber trotzdem in denselben Szenen, wie in der regulären BD zusammen und die Qualitätsabfälle der Standard-BD sind auch hier deutlich zu sehen und machen auch hier keinen guten Eindruck oder wurden auf wundersame Weise behoben. Die „Fehler“ liegen wohl im Quellmaterial begraben und sind nicht auszumerzen. Die Feindetailzeichnung ist etwas besser und die sehr guten Einstellungen aus der alten BD-Ausgabe sind nun referenzwürdig, aber solche Momente gibt es relativ wenige, denn der Film ist nicht nur dunkel, sondern konstant düster und nochmals extra dunkel. Und in diesen dunklen Momenten, die praktisch den gesamten Film betreffen herrscht auch hier noch ein gewisser Verlust an feinen Details. Sobald jedoch Bildbereiche in Licht getaucht werden, und sind diese Bildbereiche auch nur punktuell, dann entfaltet sich die Stärke dieser 4K-Restauration.

Des Weiteren kann man einen Unterscheid in der Kornstruktur entdecken. Die meiste Zeit wirkt dieses etwas besser, etwas ruhiger, allerdings gibt es auch ein, zwei Passagen (das Absaufen der drei Fischkutter) in denen das Korn aufgrund des stärkeren Schwarzwertes leicht hervorgehoben wird und deutlicher zu sehen ist, als in der Standard-BD.
Effektaufnahmen sehen stellenweise etwas besser und weniger weich aus, als sie es besonders in der Madison Square Garden Sequenz noch taten, trotzdem ist die Qualität in dieser Zeit nicht perfekt und referenzwürdig. Besonders hier (in der zweiten Hälfte) muss auch in der auf 4K gemasterten Version, der sich öfters zusammenziehende Schwarzwert und der damit verbundene Detailverlust genannt werden.



Und so kann man schlussendlich sagen, dass diese neue Auflage durchaus eine Verbesserung darstellt, die allerdings weniger deutlich ausfällt, als bei anderen 4K Restaurationen und diese sich kaum auf herkömmlichen Bildschirmgrößen bezahlt machen dürfte. Beamerbesitzer sei diese Version, sollten sie die Standard-BD noch nicht besitzen, den Film aber mögen, ans Herz gelegt.

P.S. Die Standard-BD würde eine 4 Punktewertung bekommen (evtl. nur eine aufgerundete 4 Punkte). Auf einem 4K-Fernseher würden die Farben evtl. nochmals besser zur Geltung kommen. Man darf aber nicht vergessen, dass der Film sehr dunkel und die Farbwiedergabe dahingehend ohnehin limitiert ist.

P.P.S. Info am Rande. Aus Sony´s 4K-Reihe ist die Taxi Driver Ausgabe eine absolute Verarsche, denn die alte BD ist bereits auf 4K gemastert und es besteht kein Unterschied und keinerlei Upgrade!

Sound (Engl. MA-Audio) (4,5 P):
Der Sound von Godzilla erweist sich als sehr mächtig, brachial, surroundstark, besitzt einen nicht minder alles vernichtenden Tiefenbass, die Balance passt, die Dynamik ist hervorragend, die Dialoge sind stets gut verständlich und die Filmmusik kann sich oft sehr schön entfalten. Der 5.1-Mix kann als referenzwürdig betrachtet werden, wenn es um Krawallorgien von vor 15 Jahren geht.

Im Vergleich mit aktuellen Monster-Zerstörungsorgien à la Peter Jackson´s King Kong, hat Emmerich´s Godzilla aber das Nachsehen und über die Jahre ein paar Federn gelassen.

So erscheint der Mix im Gesamten etwas (!) eintönig in Bezug auf seine klar herausgearbeiteten Surroundeffekte. Versteht mich nicht falsch. Die Effekte wissen zu gefallen, machen Spaß und rocken die Hütte, jedoch bestehen diese größtenteils aus knapp übern den Köpfen hinweg rasenden Hubschraubern, Düsenjägern, Geschosse der Kriegsmaschinerie und ähnlichen Dingen. Nach wie vor beeindruckend ist jedoch die Anzahl der feinen und perfekt ausgesteuerten Umgebungsgeräusche, die in den belebten geschlossenen Räumen des Militärstützpunktes oder des Zeitungsverlages zu hören sind; und wenn sie auch nur sehr leise und subtil im Hintergrund wahrzunehmen sind.



Neben dieser leichten Eintönigkeit fällt auf, dass der Tiefenbass etwas dumpf und weniger präzise ist, als aktuelle Produktionen und der starke Regen, nachdem Godzilla besiegt wurde, eher nach Dusche, als nach Regen klingt. Des Weiteren, und dies mag Einbildung seien, wirkt der Mix wenn alles zusammen kommt etwas konfus und die Feinheiten gehen im Effektwirrwarr unter.

Aber jetzt genug der Schwarzmalerei! Wer seinen Nachbarn noch mal so richtig auf die Nerven gehen und dabei eine tolle Zeit erleben möchte, lege Godzilla in den Player. Keine Sorge. Die Klingel und Beschwerderufe der angrenzenden Bevölkerung werden vom Soundgewitter verschluckt.

Extras (0 P):
Auf Extras wurde großzügig verzichtet; der Bitrate zu liebe.


3,0 von 5 - Story   
4,5 von 5 - Bild 
4,5 von 5 - Sound
0,0 von 5 - Extras

69% Gesamtwertung

81% technische Umsetzung

Player:
Playstation 3
 
Darstellung:
Mitsubishi HC-4000

Blu Ray: Godzilla (1998) – Mastered In 4K



Kommentare:

  1. Ach ja...den hab ich früher echt gern gesehen.

    AntwortenLöschen
  2. Ich erinnere mich noch, als der Titel ständig auf Pro7 mit dem Song von P.Diddy (Puff Daddy usw.) angepriesen wurde.
    Zum ersten Mal, zum zweiten Mal anschauen hat es noch gereicht, aber danach war dann für mich auch irgendwann Schluss.
    Es klingt in deiner Rezension so, als könne man sich die Blu-Ray Fassung getrost sparen und das Geld in einen anderen Film investieren, wenn die Unterschiede nicht allzu deutlich wirken.

    Grüße vom Spieletester

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi John Tester!
      Die Unterschiede sind vorhanden, fallen aber in der Tat eher marginal aus. Beamerbesitzer und Leute, die auf sehr großen, z.B. Ü60Zoll Full HD (ggfs. 4K-) Fernsehern schauen ist ein Upgrade evtl. noch zu empfehlen - seine Erwartungen sollte man aber dennoch zügeln. Wer die alte BD besitzt und nicht gerade ein Rießen-Fan des Films ist, kann auf diese 4K-Abtastung aber auch getrost verzichten, denn die alte Ausgabe ist nicht schlecht und immer noch sehr gut schaubar.

      Investier das Geld besser in eine andere BD oder spar ggfs. auf einen Codefree-Player, denn in den USA bekommt man Ausgaben und Filme, von denen man hier zum Teil nur träumen kann.

      Meine Kaufempfehlung für Februar, wenn man die 4K gemasterte Robocop BD noch nicht besitzt, ist ganz klar das Mediabook von Bride Of Re-Animator, welches Ende Feb. 2014 erscheinen wird und wahrscheinlich binnen weniger Wochen ausverkauft ist. Das Re-Animator Mediabook mit seiner 4K-Abtastung war eine grandiose VÖ von Capelight und ich bin mir zu 99% sicher, dass das Mediabook der Fortsetzung qualitativ nicht schlechter seien wird.

      Beste Grüße

      Löschen