Dienstag, 7. Januar 2014

All Is Lost (Film)






Story/Film (4 P):
Ein starker Film.
Wenn die Story “Mensch gegen Natur, gegen Urgewalt” in Form von Schifffahrerunglück und dem darauffolgenden Überlebenskampf nicht schon gefühlte 50tausend Mal erzählt worden wäre, hätte All Is Lost auch eine höhere Wertung bekommen.

Denn besser als in All Is Lost wurde all dies nur selten, evtl. noch gar nicht umgesetzt.

Robert Redford´s Ein-Mann-Schau ist einfach großartig. Trotz fast keiner Dialoge und nur minimaler Musikuntermalung, fesselt der Film dank fantastisch guter Schauspielleistung durchgehend.
Neben der Glanzleistung des Altstars weiss vorallem das Konzept des einsamen, älteren Seglers, der mit Routine, einem gewissen Know-How und relativer Gelassenheit den immer wieder neuen Schicksalsschlägen und Herausforderungen trotz, zu gefallen.
Anstelle auszuflippen, ständig zu fluchen und eine Dummheit nach der anderen zu begehen, wie man es heutzutage ansonsten wahrscheinlich präsentiert bekommen würde, wenn ein Ü-30 Bübchen den Film hätte tragen sollen, begeistert der Film in dieser Hinsicht richtig. 
Der Mann ist vollkommen alleine. Es muss nicht andauernd gebabbelt oder jederGedanken ausgesprochen werden, damit der Zuschauer versteht was er gerade durchmacht, denkt, fühlt und hofft. Das Publikum fiebert mit, ist von dem Kalkül des Hauptcharakters angetan und zu keiner Zeit (!) möchte man sich mit der Hand an den Kopf packen. Ich weiss nicht, wie echte, erfahrene Segler reagieren oder was es das Protokoll in eben jenen Situationen vorschreibt, aber das Gezeigte wirkt nicht dämlich oder strotzt vor Dummheit... meines Erachtens.

Macht es Sinn, dass Redford völlig alleine auf hoher See ist? Vielleicht nicht. Aber kennen wir die Vorgeschichte? Nein. Alles mögliche kann im Vorfeld passiert seien. Es kann sich um eine Wette handeln. Es mag DAS Große Abenteuer seien, dass sich ein alternder Mann gönnt, dem er sich stellt, um sich etwas zu beweisen. Vielleicht ist er auch gar nicht alleine gestartet... wer weiss das schon. Die Situation ist, wie sie eben nunmal ist und der Hauptcharakter versucht das Beste draus zu machen.

Die Ruhe vor dem Sturm...

Eine perfekte technische Umsetzung mit tollen und ruhigen Bildern, aber auch packenden Actionsequenzen und genialer Tricktechnik, sowie tosender Soundgestaltung runden den Film gekonnt ab und machen ihn zu einem tollen Vertreter seiner Zunft, der trotz seiner uralten Formel, dank seiner interessanten Hauptfigur vollkommen überzeugen kann.

Wer nicht wissen möchte wie der Streifen ausgeht, sollte jetzt aufhören zu lesen. ACHTUNG SPOILER!
Darüber hinaus endet der Film sehr versöhnlich. Jedoch weniger offensichtlich, als es einem die Bilder „vorgaukeln“. Das Auftauchen und in diesem Falle das plötzlich gleißende Licht symbolisieren in der Filmsprache den Tod und eine Art Erlösung. Verdeutlicht wird all dies mit der Wahl des Songs, der über den  Abspann gelegt wurde. Mir hat es sehr gut gefallen (so viel nur am Rande). SPOILER ENDE !

Kommentare:

  1. Film gerade gesichtet.

    Hm, nicht so mein Fall. Mehr Emotionen hätten dem Schauspiel und Film gut getan. Etwas mehr Panik oder Hektik, vielleicht auch mal ein kleiner Fluch, vor allem in der ersten Stunde des Films wären sicher besser gewesen.

    Mir ist das Spiel doch zu stoisch gewesen. Gerade in der Anfangsphase ging mir die Langsamkeit in Redfords Bewegungungen ziemlich auf dem Geist. Aber gut, er spielt einen erfahrenen Segler, ich hab gerade mal einen Turn hinter mir :-)

    Aber aufgrund der Erfahrung kann ich sagen, dass er wohl besser vor dem ersten Sturm, diese Schutzhülle erstmal aufgespannt hätte statt sich zu rasieren und zu warten bis der Sturm da ist. Und ohne Schwimmweste geht schon bei leichtem Wellengang kein Segler an Deck.
    Und ob die Holzplanken vor der Luke beim (mehrfachen) Kentern des Boots dicht halten... naja.
    Ich will nicht sagen, dass ich mir an den Kopf gegriffen hätte aber gekratzt hab ich schon :-)

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    1. Will ja nicht alles schlecht reden, falls das den Eindruck macht: technisch wie optisch isser ein Leckerbissen. Das muss man schon sagen.
      Wer sich an meinen Kritikpunkten nicht stört (ist ja immerhin Geschmacksache), sieht einen langsamen aber spannenden Film.

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    2. Hmm... diese Dinge (auffallend dummes Verhalten des Protagonisten) sind mir echt nicht aufgefallen; bin ja aber auch kein Segler oder Seemann... obwohl ich einen Segelschein habe (kein Scherz; irgendwann mal mit 10 Jahren gemacht, glaub ich?!?!).
      Ich werde ihn mir demnächst bestimmt nochmal rein ziehen und dann etwas genauer hinschauen.

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