Sonntag, 4. Januar 2015

Sorcerer – US-Import (Blu Ray)




Sorcerer – US-Import ohne dt. Ton (Blu Ray)

Diese BD ist code-free und läuft somit auch auf Region B Playern!

Story/Film (3,5 P):
Sorcerer oder auf Deutsch “Atemlos Vor Angst” genannt ist William Friedkin´s (u.a. The Exorcist) Remake des S/W-Klassikers Wages Of Fear (dt. Lohn der Angst) aus dem Jahre 1953.

Sorcerer ist einfach ausgedrückt ein Abenteuerfilm.
Aber so einfach ist es leider, oder zum Glück nicht, denn der Film generiert eine Atmosphäre wie man sie in Filmen nur sehr, sehr selten findet. Ist der Film erst einmal im südamerikanischen Dschungel angekommen, zeichnet er ein tristes, dreckiges, raues und schonungslos realistisches Bild der Gegend mitsamt all seiner Armut, Korruption und Witterungsbedingungen – eine Gegend in der ein Menschenleben nicht allzu viel wert ist.
Und dies ist der Ort, an dem sich eine vierköpfige Mannschaft auf den Weg macht in zwei alten, rostigen, klapperigen und monströs ausschauenden LKWs mehrere Kisten Nitroglyzerin von A nach B zu transportieren – natürlich gegen eine für damalige Zeiten entsprechend hohe Summe.
Hier liegt aber der Hase begraben. Wieso sollte ein Unternehmen, das ein Feuer eines Bohrloches mit der Explosion ausblasen möchte, einen so riskanten und dazu noch so kostspieligen Plan durchführen wollen? Wenn ich so viel Geld investiere, wieso dann nicht einfach Dynamit oder anderen geeigneten Sprengstoff via Helikopter einfliegen lassen? Es kann doch nicht so schwierig sein irgendwo in korrupten Dschungelstaaten Dynamit und einen tollkühnen Piloten aufzutreiben?

Aber es ist so wie es ist und der Zuschauer sollte auf die Frage WARUM nicht zu viel Zeit verschwenden… das hat der Film in Form seiner einstündigen Vorgeschichte leider selbst schon getan.
Und hier liegt der Schwachpunkt des Films; der Grund wieso einfach keine wirklich gute Wertung drin ist – trotz seiner ausgezeichneten zweiten Hälfte.

Atemlos Vor Angst verbringt ausgiebig viel Zeit damit seine vier (Haupt-)Charaktere vorzustellen. An sich bin ich ein Freund von Charakterzeichnung und sehe diese als mit das Wichtigste an was ein Film machen muss, da ansonsten keine emotionale Bindung mit dem Publikum entsteht und das Geschehen teilnahmslos am Zuschauer vorbeifliegt. Leider gelingt es dem Film nicht, trotz seiner ausschweifenden Vorgeschichten auch nur eine seiner Figuren dem Publikum näher zu bringen oder diese als Sympathieträger zu etablieren.
Aber wieso ist das so? die Antwort ist relativ simpel. Wir (das Publikum) erfahren etwas über das „Wieso“, das wieso die Figur im Dschungel gelandet ist, aber nicht über den Charakter selbst. Oder besser gesagt nicht so viel, dass man sich mit einem der Charaktere identifizieren kann oder Empathie aufbringt.


ACHTUNG: Leichte SPOILER.
Es gibt einen Terroristen, der aufgrund eines Anschlags das Land verlassen muss. Mehr erfahren wir leider nicht. Sympathieträger? Garantiert nicht. Mitgefühl, Empathie? Nö!

Des Weiteren wird ein reicher Unternehmer gezeigt, der allem Anschein nach aufgrund einer folgenschweren und illegalen Fehlentscheidung kurz davor steht verhaftet zu werden und lieber in den Dschungel flüchtet und seine Frau zurücklässt. Dass er seine Frau aufrichtig liebt und aufgrund dessen wieder zurück will, erschließt sich dem Publikum nicht. Auch sonst erfahren wir leider nicht viel und vor allem nichts Relevantes über diese Person.

Dann gibt es noch einen Auftragsmörder, der eventuell untertauchen musste oder aber vielleicht ein anderes Ziel verfolgt. Von dieser Person erfahren wir eigentlich noch weniger, als von o.g. Terroristen. Einerseits gelingt es dem Film durch diese Person geschickt Spannung zu erzeugen, denn das Publikum vermutet, dass dieser Killer hinter der einen, richtigen (Haupt-)Figur her sein könnte. Ob das der Fall ist, verrate ich nicht. Sympathieträger? Garantiert nicht. Mitgefühl, Empathie? Nö!

Das bringt uns nun zum Protagonisten, der leider trotz seines Protagonistenstatus´ wenig Tiefe erlangt. Roy Scheider spielt einen Fluchtwagenfahrer, der sich leider mit den falschen Personen eingelassen hat und das Land verlassen muss. Da alle Personen im Film sehr wortkarg sind erfährt man auch über diese Figur nahezu nichts. Was sind seine Wünsche, seine Ziele, wieso macht er das was er eben macht, hat er Familie, wieso weshalb warum?
SPOILER ENDE.


Bei einer derartigen selbstmörderischen Mission, wie sie die vier Männer angehen, benötigt man als Zuschauer die jeweiligen Motiven und diese müssen schlüssig sein, sonst kann das Gezeigte noch so spannend, noch so atemberaubend in Szene gesetzt sein, es wird nicht die Wirkung entfalten, die sie hätte entfalten können, wenn die Figuren dem Publikum nahestehen würden. Man kann natürlich den potentiellen Ausweg aus dem Dschungel als logisches Motiv aller Charaktere sehen, da der Film wie bereits gesagt ein entsprechendes Bild der Gegend zeichnet, das für die vier Figuren nur schwer zu ertragen scheint. Aber ist das ausreichend? Ja, wenn denn etwas in der Heimat auf die Figuren warten würde, auf das es sich lohnt zu hoffen, für das es sich lohnt sein Leben zu riskieren. DAS ist aber nicht der Fall und somit verschwendet der Film viel Zeit darauf etwas zu schaffen, dass nicht erschaffen wird und Figuren zu zeichnen, die trotz aller Mühen sehr leblos bleiben.

Aber zum Glück gibt es eine zweite Hälfte. Und diese ist trotz der blassen Charaktere äußerst gut gelungen!
Die schier selbstmörderische Mission ist so nervenaufreibend in Szene gesetzt, einzelne Hindernisse, die überwunden werden müssen, so fingernägelverschlingend, dass der Zuschauer droht mitzuexplodieren, sollte eines der Fahrzeuge vom Weg abkommen. Seien es steil abstürzende Klippen, die den Weg erschweren, steile, durch extreme Regenfälle aufgeschwemmte Abhänge, die durchquert werden müssen, die unsicherste Hängebrücke, die man je gesehen hat und welche über einen reissenden Strom führt oder entwurzelte Mammutbäume, die den Weg versperren; es sieht alles fürchterlich halsbrecherisch aus und fühlt sich auch so an. Wie die einzelnen Sequenzen in Szene gesetzt wurden ist schlichtweg meisterhaft und sucht bis heute seinesgleichen. 


Trotz seiner Schwächen ist Sorcerer ein Film, den man sich getrost anschauen kann und dies ggfs. auch mehrmals. Die jeweiligen Drehorte und die technische Umsetzung sind grandios und die geschaffene Atmosphäre ist einmalig und trösten über die blassen Figuren und die ein oder andere Ungereimtheit hinweg.

Bild (5 P):
Aufgerundete 5 Punkte.
Wow! Sorcerer hat einen 4K-Scan spendiert bekommen. Und dieser ist schlichtweg umwerfend geworden! Wenn doch bloß alle Filme so gut ausschauen würden…?!?!
Es sind „nur“ aufgerundete 5 Punkte, da es hin und wieder ein paar ganz wenige Einstellungen gibt, die unruhig verkörnt und unscharf erscheinen, einmal kam für 2 Sekunden der Verdacht auf, dass eine Einstellung nahezu gar nicht überarbeitet wurde und in zwei, drei ebenfalls sehr kurzen Momenten hat der Schwarzwert einen schlecht differenzierten Eindruck hinterlassen und entsprechend Details gefressen. Zusammen addiert bringen es diese unschönen Dinge wahrscheinlich auf nicht einmal 1% der gesamten Lauflänge und sollten nicht mehr Aufmerksamkeit bekommen, als sie es verdient haben – was hiermit geschehen ist.

Bis auf o.g. Ausnahmen sieht das Bild fantastisch aus und muss als Referenz für Filme aus den 70er und entsprechende 4K-Scans verstanden werden.
Die Farben sind knackig, lebendig und wunderbar natürlich, der Schwarzwert ist satt und schön differenziert, so dass selbst bei Nacht eine sehr schöne Durchzeichnung herrscht. Die Kornstruktur ist wunderschön erhalten geblieben und zu keiner Zeit störend oder detailfressend. Das Bild ist sauber, der Schärfegrad fast immer perfekt und die Detailzeichnung ist atemberaubend fein. Der 4K-Scan fördert jedes noch so kleine Detail zu Tage, so dass dank der anderen o.g. Aspekte öfters eine schöne Tiefenwirkung entsteht.


Sound (Engl. MA-Audio) (5 P):
Gerade eben, nach dem ich nun die 5-Punkte-Wertung getippt habe, bin ich aus Interesse auf imdb.com gegangen, um zu schauen ob der Film irgendwelche Auszeichnungen für seine technische Umsetzung bekommen hat und siehe da… er war in der Kategorie Best Sound für den Oscar nominiert – verständlicherweise!

Der 5.1-Mix, den man dem Film frisch spendiert hat ist unfassbar gut geworden und kann mit Filmen der neusten Generation mithalten. Okay… es ist kein Krach-Bumm-Effektgewitterfilm und es rappelt und zappelt nicht über die gesamte Lauflänge von 2 Stunden, aber dennoch gibt es ständig etwas auditiv zu entdecken.

Umgebungsgeräusche werden nahezu ständig wiedergegeben; mal subtiler, mal explizit. Sei es über die Front mit tollen Stereoseparationen oder sei es über die rückwärtigen Lautsprecher mit ebenso tollen Separationen. Der Dschungel kam selten so vielschichtig, lebendig und teils so authentisch und niederschmetternd rüber. Die teils kräftigen Regenschauer prasseln auf das Haupt des Zuschauers runter, so dass dieser fast genötigt ist einen Regenschirm aufzuspannen, der reissende Strom lässt einen unwillkürlich die Beine anziehen und der Bass verleiht dem Ganzen den nötigen Druck. 


Neben einer klaren Dialogwiedergabe muss man auch die Filmmusik erwähnen, die sich nicht minder sauber und vor allem raumfüllend, fast hypnotisch und fein entfalten kann – ein gewisses Alter lässt sich der Musik jedoch dennoch nicht absprechen.

Extras (1 P):
Leider gibt es außer der schönen Digibook-Verpackung, einem bebilderten Booklet mit Auszügen aus Friedkin´s Memoiren nur noch einen „Brief“ von Friedkin mit dem üblichen Restaurations- und Dankes-Bla-Bla. Sonst nichts. Es gibt weder einen Trailer, noch irgendwelche Vidoefeatures.



3,5 von 5 - Story   
5,0 von 5 - Bild 
5,0 von 5 - Sound
1,0 von 5 - Extras

79% Gesamtwertung

90% technische Umsetzung

Player:
Playstation 3
 
Darstellung:
Mitsubishi HC-4000

Blu Ray: Sorcerer – US-Import (Digi-Book)


Kommentare:

  1. Was hab ich den Film geliebt. Wie oft hab ich mir den schon angeschaut als Jugendlicher, auf VHS vom Papa ausm TV aufgenommen mitte der 80er. Herrlich!
    Danke, dass du mir den Film in Erinnerung gerufen hast.
    Würde mir auch sicher heute noch gefallen.

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  2. Gern geschehen! Dann solltest du dir die Scheibe zulegen. Eine bessere technische Umsetzung wird es von dem Film so schnell nicht geben...

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